Viaggio musicale

Stylus Phantasticus von süd gen nord


Änderungen vorbehalten.

Spielen. In der Entwicklung eines jeden Menschen nimmt das Spielen einen essentiellen Platz ein. Wir erproben uns im Spiel, lernen uns und unsere Grenzen kennen und erweitern sie. Eine Welt ohne Spiele, undenkbar.
Dieses Phänomen ist nicht ausschließlich eines unserer modernen Zeit, sondern auch integraler Bestandteil der Vergangenheit. Geändert haben sich lediglich Name und Gestallt der "Spielplätze".

Heute möchten wir Sie einladen, genau solch einen Ort mit uns zu besuchen; den Spielplatz eines Biagio Marini, eines Andra Falcioneri, eines Heinrich Ignaz Franz v. Biber...
Sein Name: Stylus Phantasticus. Nur zwei Worte, doch in diesen Worten steckt eine Welt der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Waren einem Komponisten des 17. Jahrhunderts durch eine musikalische Gattung Grenzen gesetzt, so war dies der Ort sie zu durchbrechen. Dieser Kompositionsstil vereint Elemente der Sonata, der Fuga, der Fantasia, des Concerto und der Tanzmusik; eine Mischung der verschiedensten Farben, Düfte und Emotionen.

Begleiten Sie uns auf dieser Reise in die Vergangenheit und spielen Sie mit uns...

Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Wenn man sich die, im wahrsten Sinne des Wortes, "Lebenswege" unserer "Spielgefährten" ansieht, scheint dies nicht nur auf diese Stadt zuzutreffen.

Beginnen wir unsere Reise in Brescia, einer Stadt in der seit den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts der Geigenbau heimisch wurde.

Der hier geborene Biagio Marini begegnet uns 1615 noch als Musiker am Markusdom von Venedig. 1620 kehrte er nach Brescia zurück und schon 1621 findet man ihn in Parma. Von 1623 bis 1645 wirkte er am Pfalzgräflichen Hof in Neuburg a.d. Donau und Düsseldorf. Dazwischen war er 1626 für ein Jahr am bayrischen Hof in München tätig. 1652 führte ihn sein weg zurück nach Italien, und zwar zunächst nach Ferrara und schließlich nach Mailand, wo er Musikdirektor an der Kirche "Santa Maria della Scala" wurde.
Marini war ein fruchtbarer Komponist. Er hinterließ uns Arien, Madrigale, Tänze und geistliche Musik. Große Bedeutung hatte er daneben als einer der ersten Kammermusikkomponisten, der durch seine Solo- und Triosonaten hervortrat. Sein erstes Opus, die "Affetti musicali" von 1617 enthält eine der frühesten Sonaten für Violine allein.

Nicht weniger reiselustig war Tarquinio Merula. Seine Karriere in Cremona beginnend, reiste er 1624 nach Warschau, um dort seinen Dienst als Organist am Hof des Königs von Polen und Schweden anzutreten. 1628 kehrte er nach Cremona zurück, aber schon 1632 bot man ihm die Stelle eines maestro di choro an der Kirche S. Maria Maggiore in Bergamo an, die er bis 1640 behielt. 1646 wieder in Cremona angekommen, übernahm er wiederum das Amt des maestro di choro, das er bis zu seinem Tode 1655 innehatte.

Andrea Falcioneri machte sich von 1604 bis 1614 als Komponist und Lautenspieler am Hof von Parma einen Namen. Anschließend findet man ihn in Norditalien, Rom und später in Neapel. Er bereiste in der Zeit von 1621 bis 1628 Spanien und Frankreich. Ab 1639 wirkte er als Lautenist, ab 1647 als maestro di cappella in Neapel.

Der letzte Italiener im Bunde ist Marco Uccellini. Er begann seine musikalische Ausbildung in Assisi und ließ sich noch vor 1639 in Modena nieder. Ab 1641 war er für die instrumentale Musik am Hof der Este verantwortlich und bekleidete von 1647 bis 1665 das Amt des maestro di cappella. Dasselbe Amt hatte er bis zu seinem Tode 1680 am Hof der Famese in Parma inne.
Sieben seiner ausschließlich instrumentalen Kompositionen sind uns bis heute als Drucke überliefert. Er war durch seine Werke maßgeblich an der Entwicklung der Violintechnik im 17. Jahrhundert beteiligt.

Doch der Stylus Phantasticus lässt sich nicht nur in Italien finden. Setzen wir unsere Reise fort: Zunächst nach Österreich und anschließend in den Norden Deutschlands.

Johann Heinrich Schmelzer wurde um 1620 in Scheibs (Niederösterreich) geboren und starb am 30. Juni 1680 in Wien. Er war Geiger in der Kaiserlichen Hofkapelle Kaiser Ferdinands III in Wien. 1671 wurde er Vize- und 1679 Hofkapellmeister.

Bei der Beschäftigung mit Schmelzer wird man zwangsweise auf einen anderen bedeutenden Komponisten des österreichischen Frühbarock stoßen: Heinrich Ignaz Franz v. Biber. Der Böhmische Geiger und Komponist erfuhr seine erste musikalische Ausbildung in Wien. 1668 finden wir ihn in Kremsier, ab 1670 in den Diensten des Fürst-Erzbischofs Max Gandolf in Salzburg, wo er seit 1679 Vizekapellmeister und seit 1684 Kapellmeister und Truchseß war. Zu einer Zeit als die Violine noch ein sehr neues Instrument war, machte Biber durch sein virtuoses Geigenspiel von sich reden und galt bald als der bedeutenste deutsche Geiger des 17. Jahrhunderts.

Beenden werden wir unsere Reise im Norden Deutschlands, doch nicht ohne nochmals mit Italien in Kontakt zu treten.

Johann Rosenmüller begann seine musikalische Karriere als Musiklehrer und Organist in Leipzig. Mitte der 1650er-Jahre musste er Deutschland unter dem Vorwurf der Päderastie verlassen und baute sich in Venedig als Posaunist am Markusdom und Komponist eine neue Existenz auf. Bals nannte er sich Giovanni Rosenmiller. Während seines 24-jährigen Aufenthaltes in Venedig wurde er ein angesehener Mann; eine Zeitlang war er Kapellmeister am Ospedale della Pietà, an der später auch Antonio Vivaldi wirkte. 1682 kehrte er nach Deutschland zurück und war bis zu seinem Tode Kapellmeister in Wolfenbüttel.