Schatzkammern der Harmonie
Ein musikalisches Dreigestirn: Kremsir-Salzburg-Wien
- H.I.F. Biber (1644-1704)
- Partia V
aus Harmonia artificiosa-ariosa mit Scordatur g-d-a-d - Anonymus
- Sonata VI Discordata E in de solum
aus Sette sonate a violino solo e basso generale - A.Bertali (1605-1669)
- Sonata a 3 (Sign. A 636)
- J. H. Schmelzer (c1620-1680)
- Lamento sopra la Morte Ferdinandi III a tre
- J. H. Schmelzer
- Sonata secunda
aus Sonatae unarum fidium Violino solo - A. Bertali
- Sonata a 3 (Sign. A 625)
- H. I. F. Biber (attr.)
- Sonatina d moll
für Viola da gamba und basso continuo - A. Poglietti (?-1683)
- Sonata a 4
- H. I. F. Biber
- Partia VI
aus Harmonia artificiosa-ariosa
Änderungen vorbehalten.
SCHATZKAMMERN DER HARMONIE
Ein musikalisches Dreigestirn:
Die musikalische Blütezeit der mährischen Stadt Kremsier (Kroměříž) fällt in die 2. Hälfte des
17. Jahrhunderts. Einer der Gründe hierfür findet sich in der Herrschaft des Fürstbischofs Karl
Liechtenstein-Kastelkorn zu Olmütz. Während seines Episkopats (1664-1695) unterhielt er
eine bedeutende Kapelle nebst Vokalensemble, deren Qualität bis weit über die Grenzen der
kais.-bischöflichen Residenz bekannt war. Der Bischof war sich der Repräsentationskraft einer
solchen Institution durchaus bewusst und wusste um die Bedeutung von Kunst und Musik.
Entgegen der allgemeinen Vorstellung ist es ein Fehler zu vermuten, dass jede adlige Residenz
im Besitz einer solchen Kapelle war. Dies gewinnt noch mehr an Bedeutung, wenn man sich
vor Augen führt, dass die Prager Bischöfe nie eine solche Gruppierung ihr Eigen nennen
konnten.
Der Kontakt zum Wiener Hof, der dem Erzbischof sehr wichtig war, spiegelt sich im
Repertoire der Kremsier Musikkapelle wider. Zu den am stärksten vertretenen Meistern
gehören Antonio Bertali, Alessandro Poglietti und Johann Heinrich Schmelzer.
Beide Höfe – Kremsier und Wien – hatten einen florierenden musikalischen Austausch.
Unter Maximilian I erblühte die Wiener Kapelle, aufgrund einer gründlichen Reorganisation,
erneut (1498). Dies machte sie letztendlich zu einem Zentrum der europäischen Musik.
1619 begann die Hegemonie der Italiener und des musikalischen Barock am Wiener Kaiserhof.
Die Tradition der instrumentalen Kammermusik hatte unter den Hofkapellmeistern A. Bertali,
seinem Nachfolger J. H. Schmelzer, Schmelzers Schüler H. I. Fr. Biber und Georg Muffat (die
beiden letzten gingen nach kurzen Wiener Aufenthalten nach Salzburg) bis hin zu J. J. Fux eine
glänzende Entwicklung aufzuweisen.
Auch Salzburg und Kremsier standen in engem Kontakt. Nicht zulezt durch die Anwesenheit
H.I.Fr. Bibers.
Biber kam 1668 nach Kremsier und bekleidete fortan das Amt des bischöflichen
Kammerdieners. Obwohl er vom Bischof nicht offiziell entlassen wurde, ging er 1670 von dort
nach Salzburg. Er unterhielt weiterhin Kontakte mit Kremsier und schickte viele gedruckte und
handschriftliche Kompositionen an seine frühere Wirkungsstätte.
Gemeinsam mit dem Hoforganisten Georg Muffat führte Biber eine Blütezeit des Hochbarock
herbei.
Heute sind die Bibliothek-Bestände des ehemaligen bischöfl. Schlosses in Kremsier wahre
Schatzkammern für das Studium der böhmischen und österr.-süddeutschen Musikliteratur des
17. Jahrhunderts. Viele Hunderte Vokal- und Instrumentalwerke liegen handschriftlich und in
Drucken vor und warten auf ihre Entdeckung. Unter ihnen finden sich auch jene
Kostbarkeiten, die in unserem Programm Platz Einzug genommen haben….